Das Bahnprojekt Ulm – Augsburg geht in die Luft

Es ist ein ungewöhnlicher Beruf bei der Deutschen Bahn: Pilot. Wer hier an fliegende Züge denkt, liegt jedoch falsch. Bei der Deutschen Bahn gibt es eine Spezialeinheit, die sich um alles rund ums Thema Drohnen kümmert. Dazu gehört natürlich eine kleine Drohnenflotte samt ausgebildeter Drohnenpiloten. Auch wir von Bahnprojekt Ulm – Augsburg haben uns im Sommer an einen Drohnenflug gewagt.

Mit der Drohne alles sofort im Blick
Für die Grundlagenermittlung des Bahnprojekts Ulm-Augsburg geht es mit der Drohne hoch hinaus. In dieser Phase untersuchen wir die Bestandsstrecke, aber auch die baulichen und umwelttechnischen Gegebenheiten entlang der Strecke. Bei so vielen Bauwerken neben und an den Gleisen wird die Grundlagenermittlung schnell zu einer Mammutaufgabe. Dabei hilft uns die Drohne ungemein – von oben können wir die Strecke samt der umliegenden Landschaft, den Bauwerken, Schallschutzwänden, kreuzenden Brücken und Bächen und vielem mehr auf einmal aufnehmen. Denn eine Bahnstrecke macht viel mehr aus als nur Gleise und Schotter.  

90 cm breit, 40 cm hoch, 6 kg schwer und ausgestattet mit mehreren Kameras steigt die Drohne in die Luft: Der kleine, schwarze Multicopter nimmt alles, was auf und neben der Strecke liegt, auf. Damit haben wir am Boden alles im Blick und können schnell feststellen, ob die so genannten Gewerke entsprechend den Lageplänen an Ort und Stelle vorhanden sind. Das spart einiges an Zeit, da ausführliche Streckenbegehungen somit nicht mehr nötig sind. Außerdem ergänzen die Aufnahmen die bisherigen Daten. Wenn man überlegt, dass die Strecke bereits etwa 160 Jahre alt ist, ist es nachvollziehbar, dass manch eine Information im Lauf der vielen Jahrzehnte durchaus verloren gehen kann.

 

Foto: Frederike Geyer, DB Netz AG

Bevor die Drohne in die Luft geht, müssen noch einige Vorbereitungen getroffen und Parameter eingestellt werden. Die Drohne ist ausgestattet mit 2 Kameras. Damit bringt sie ein Gewicht von 6 Kilo auf die Waage.

   

Mit dem Drohnenvideo in die Zukunft sehen
In das fertige Drohnenvideo werden die bereits vorhandenen Lage- und Streckenplänen sowie andere Daten eingespielt. Wenn wir uns das Resultat anschließend anschauen, erscheint es so real, als ob wir selbst zum Piloten werden und über die Strecke fliegen. Dabei können wir jederzeit stoppen und an gewisse Punkte oder Bauwerke heranzoomen, um sie uns aus der Nähe anzuschauen. Dank BIM (Building Information Modelling) können wir sogar noch einen Schritt weiter gehen und zukünftige Bauwerke im Video visualisieren. Das erlaubt uns mittels VR, Bauwerke, weitere Gleise, Schallschutzwände und vieles mehr bereits anschauen zu können, noch bevor der erste Stein gebaut wurde. In der dreidimensionalen Darstellung ist es sogar möglich, Räume von innen zu betreten. Und all das nur am Bildschirm.

Eine große Hilfe ist das Video der Drohnenbefliegung auch für Informationsveranstaltungen vom Bahnprojekt Ulm – Augsburg. Denn im Video ist alles sofort erkennbar, ohne komplizierte Pläne lesen zu müssen. Das wollen wir vom Bahnprojekt für die demnächst startende Bürgerbeteiligung natürlich nutzen. Dank der Darstellung im Video ist es für jeden möglich, zukünftige Bauwerke zu erkennen und zu verstehen. Die Bürger*innen haben somit einen direkten Zugang zu den Planungen und können ihre Gedanken und Ideen dazu sofort einbringen. Davon profitieren auch wir, denn nur gemeinsam mit der Region können wir das Projekt erfolgreich gestalten.

 

Foto: Frederike Geyer, DB Netz AG

Die Spezialeinheit der DB Sicherheit
Bei der Deutschen Bahn darf aus Sicherheitsgründen nur eine Spezialeinheit der DB Sicherheit Drohnenflüge durchführen. Immerhin fliegen die Drohnen direkt über den Gleisen, da muss jede Gefahr natürlich von vornherein ausgeschlossen werden. Die Flotte dieser Einheit besteht aus etwa 30 Drohnen und fliegt seit 2015 für die verschiedensten Zwecke. Diese Spezialeinheit besteht aus einem kleinen Team, das sich um alle Drohnenflüge innerhalb Deutschlands kümmert, die von der DB in Auftrag gegeben werden. Und das sind tatsächlich sehr viele. Das Einsatzspektrum der Drohne ist genauso vielseitig, wie die Funktionalitäten und Ausstattung.

 

Mit der Drohne auf Verbrecherjagd
Die Deutsche Bahn arbeitet vor allem in der Kriminalitätsprävention eng mit der Polizei zusammen. Wenn es darum geht, Kupfer- und Metalldiebe an Baustellen, Warendiebe an Güterbahnhöfen sowie Graffiti-Künstler auf frischer Tat zu ertappen, ist die Drohne der beste Begleiter. Sie kann mit Wärmebildkameras Lautsprechern und Mikrophonen ausgestattet werden. Mit der Drohne gelangen die Kollegen der DB Sicherheit so an Stellen, die zu Fuß nicht so leicht bis gar nicht zu erreichen sind und können mit der Polizei dann zugreifen, wenn die Täter gerade zuschlagen.

Außerdem sorgen die Drohnen für Sicherheit. Der kleine schwarze Kasten fliegt im Nu die Oberleitungen ab und kann beispielsweise sehr schnell Sturmschäden erkennen. Die Kollegen können also sofort los und den Schaden beheben. Eine große Zeitersparnis und Hilfe ist die Drohne auch bei Inspektionen, die sonst nur mit Kränen möglich wären (bspw. große Talbrücken) sowie bei der Analyse von Unglücken und Unfällen.

Die Vorteile liegen bei allen Verwendungszwecken klar auf der Hand: Aus sicherer Distanz lassen sich in kürzester Zeit bestimmte Bereiche filmen, beobachten und dokumentieren. Die Drohne erlaubt je nach Kamera einen weiten Blickwinkel und kann somit auch die verschiedensten Perspektiven aufnehmen. Von der Bestandsaufnahme über Bürgerkommunikation bis hin zu Visualisierungen neuer Streckenabschnitte können die Aufnahmen damit für die unterschiedlichsten Zwecke eingesetzt werden.

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